Gerberei Schlüßlmayr

Wichtige Hinweise über die Behandlung von Rohhäuten und Rohfellen

Salze

von Franz Schlüßlmayr

Nachdem ich als Gerber sehr oft erlebe, dass Kunden verdorbene Rohfelle zur Gerbung bringen, möchte ich auf die wichtigsten Grundlagen bei der Behandlung von rohen Häuten und Fellen hinweisen.

Um eine einwandfreie Rohware zu erhalten, sollten Sie folgende Punkte beachten

Bemühen Sie sich beim Abziehen die Haut so sauber wie möglich vom Tierkörper zu trennen. An der Unterhaut sollten möglichst wenige Fleischreste haften bleiben, da diese die nachfolgende Konservierung beeinträchtigen. Verwenden Sie so wenig wie möglich scharfe Werkzeuge wie Messer, um Abzugsschäden wie Schnitte und Löcher zu vermeiden!

Um die rohe Haut in einwandfreiem Zustand zu erhalten, ist es besonders wichtig, diese sofort nach dem Abdecken zu konservieren.

Beachten Sie dazu folgende Hinweise

  • Das einfachste und älteste Konservierungsverfahren ist das Trocknen. Dabei wird den Fellen die für die Entwicklung von Mikroorganismen erforderliche Feuchtigkeit entzogen. Die Felle sollten rasch, aber auf keinen Fall bei zu hohen Temperaturen (nicht über 30° C) und auf keinen Fall in praller Sonne oder direkt neben einem Heizkörper auftrocknen, da dies zu irreversibler Schädigung (Verleimung) des Hautkollagens führt!
  • Am einfachsten hängen Sie die Haut der Rückenlinie entlang über eine Holzstange oder gespannte Leine. Dabei ist es besonders wichtig, dass die "Fleischseite" der Haut nach außen und die Haarseite nach innen gewendet ist. Achten Sie darauf, dass sich keine Falten bilden, da innerhalb von zusammengeklebten Falten die Haut nicht trocknen kann und an diesen Stellen verdirbt! Frische Rohfelle niemals über Metall hängen, da Rost die Rohhaut besonders stark schädigt!
  • Auf diese Art können alle Arten von Fellen wie Schaf, Ziege, Rotwild, Gams, Reh, Mufflon, Dam, usw. getrocknet werden. Die Bälge von Fuchs, Marder und Iltis sollten besonders sorgfältig abgebalgt werden und zum Trocknen am besten über ein ca. 15 bis 20 cm breites, nach oben spitz zulaufendes Brett gezogen werden. Natürlich wieder mit der Fleischseite nach außen. Dabei kann man auf die Läufe und die Rute, um ein Einrollen zu verhindern, luftdurchlässiges Zeitungspapier kleben.
  • Nur die Schwarten von Wildschweinen und Dachsen sollten nicht getrocknet, sondern stets gesalzen werden!
  • Das Salzen von rohen Häuten und Fellen stellt ebenfalls eine sehr gute Konservierungsmethode, allerdings nur bei ganz frischer Rohware dar. Hierbei ist zu beachten, dass auf alle Fälle genügend Salz eingesetzt wird. Dabei breitet man die Haut am Boden mit der Fleischseite nach oben auf und bestreut die ganzen Flächen mit Salz oder (noch besser) reibt es mit der Hand auf die Hautoberfläche. Dabei sollte eine gut sichtbare (einige mm dicke) Salzschicht auf der Haut erhalten bleiben. Auf diese Art kann man in gleicher Weise mehrere Häute übereinanderstapeln. Falls Sie gesalzene Ware an uns per Post senden wollen, sollten Sie die Häute mindestens einige Tage in gesalzenem Zustand liegen lassen. Zum Versand in Plastiksäcke verpacken um zu verhindern, dass während des Transportes eventuell Flüssigkeit austreten kann. Bitte dem Paket eine Mitteilung beilegen mit Ihrer Adresse und ob die Ware rauh gegerbt (mit den Haaren) oder sämischgegerbt (Leder) werden soll!
  • Eine weitere Methode der Konservierung stellt auch das Einfrieren von Rohfellen dar, was von uns allerdings nicht sehr geschätzt wird, da gefrorene Ware natürlich nicht per Post versendet werden kann und die auf einen Ballen zusammengefrorenen Felle, ohne diese wieder aufzutauen, von uns nicht begutachtet werden können.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen einfachen aber grundlegenden Tipps bei der Behandlung von Rohfellen geholfen zu haben und stehe für weitere Fragen auch telefonisch jederzeit gerne zur Verfügung.
Gerberei Schlüßlmayr   -   A-8962 Gröbming   -   Mitterberger Str. 38   -   +43 660 1620964

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